Schaffutter im Test
In der Futterwertprüfung wird der Energiegehalt der beprobten Futter an Hammeln bestimmt. Hierzu wird die Verdaulichkeit der Rohnährstoffe an fünf Hammeln je Futter gemessen. Zur Ermittlung der Verdaulichkeit wird nach einer zweiwöchigen Anfütterung über sieben Tage neben dem Futter auch der ausgeschiedene Kot mengenmäßig erfasst. Die Analysen im Futter und Kot erfolgen in der LUFA NRW. Auf der Basis der verdaulichen Rohnährstoffe wird für jedes Futter der Gehalt an umsetzbarer Energie (ME) bestimmt und den Energiestufen zugeordnet. Zur Bewertung erfolgt eine Gegenüberstellung mit den Angaben des Herstellers. Hierbei wird in Anlehnung an das Futtermittelrecht eine Toleranz von 0,4 MJ ME je kg in Ansatz gebracht. Ergänzend erfolgt eine Schätzung des ME-Gehaltes auf Basis der im Labor bestimmten Rohnährstoffe und der Cellulase-Löslichkeit im Rahmen des Cellulase-Tests. Dieses Schätzverfahren wurde aus Verdaulichkeitsbestimmungen abgeleitet und ist in der amtlichen Futtermittelkontrolle in Anwendung.
Teils schwankende Angaben
Der Energiegehalt der geprüften Ergänzungsfutter für Schafe wird seitens der Hersteller bei drei Futtern mit der Energiestufe 2 angegeben. Gemäß Vereinbarung entspricht dies einem Energiewert von 10,2 MJ ME pro kg Futter. Beim Futter Schaf-/ Lämmerkorn von Hermann Schräder, Ochtrup, wird auf eine Energieangabe gänzlich verzichtet. Das Futter Schaffutter der Muskator-Werke, Düsseldorf, soll 17,0 % Rohprotein besitzen. Bei den übrigen drei Futtern beträgt der Rohproteingehalt nach Herstellerangabe jeweils 18 %. Die Angaben zu den Rohfasergehalten schwanken zwischen 9,5 % beim Futter RCG Schaffutter der Agravis, Münster, und 16,0 % für das Futter Raiffeisen LammGold der RWZ Rhein-Main, KW Neuss.
Nach Herstellerangaben werden die Ergänzungsfutter sowohl an tragende und gelammte Schafe als auch an abgesetzte Lämmer verabreicht. Hermann Schräder empfiehlt Einsatzmengen von 400 bis 1 000 g pro Tier und Tag bei den Mutterschafen. Abgesetzte Lämmer sollen das Futter zur freien Aufnahme erhalten. Agravis gibt Einsatzmengen von 0,5 bis maximal 1 kg pro Schaf und Tag an. Vom Schaffutter der Muskator-Werke sollen Tagesmengen von 100 bis 800 g pro Zuchtschaf gefüttert werden, bei den abgesetzten Lämmern sind es je nach Entwicklungstand zwischen 300 und 800 g je Tier/Tag. Mutterschafe sollen vom Raiffeisen LammGold zwischen 100 und 1 000 g pro Tag bekommen. Abgesetzte Lämmer erhalten je nach Alter zwischen 200 und 1 000 g am Tag.
Etikett und Wirklichkeit
In der Tabelle sind die Angaben der Hersteller, die durch die LUFA NRW analysierten Inhaltsstoffe sowie die im Verdauungsversuch ermittelten Verdaulichkeiten und die daraus bestimmten Energiestufen für die Prüffutter dargestellt. Beim Vergleich von Deklaration und Analyse fällt beim Schaffutter der Muskator-Werke die große Differenz im Rohproteingehalt auf. Auch wenn die futtermittelrechtliche Toleranz nicht überschritten ist, sollten gerade beim Protein die Lieferabsichten möglichst genau eingehalten werden. In allen anderen Fällen besteht eine gute Übereinstimmung zwischen den Herstellerangaben und den im Labor ermittelten Werten. Der Gehalt an organischer Substanz variiert zwischen 80,2 % und 82,6 %, womit nur relativ geringe Unterschiede zwischen den Futtern bestehen. Die Werte für die Verdaulichkeit der organischen Substanz liegen zwischen 77,7 und 83,3 %. Der über die Verdaulichkeit gemessene Energiegehalt erlaubt bei drei Futtern eine Einstufung in die Energiestufe 3 (10,8 MJ ME/kg ± 0,4 MJ ME). Auf Grund der geringeren Verdaulichkeit wird das Futter Raiffeisen LammGold in die Energiestufe 2 eingestuft. Die von den Herstellern gemachten Energieangaben werden damit bestätigt oder in zwei Fällen sogar überschritten. Die Energieschätzung über die Cellulase-Löslichkeit führt bei allen vier Futtern zu Energiegehalten, die denen der Energiestufe 3 entsprechen, womit in drei Fällen eine sehr gute Übereinstimmung zum Hammeltest gegeben ist.
Energiegehalt am wichtigsten
Für die Qualitätsbeurteilung von Mischfutter ist der Energiegehalt die wichtigste Größe. Vor diesem Hintergrund muss die fehlende Energieangabe beim Futter der Firma Hermann Schräder besonders kritisch betrachtet werden. Für eine energieangepasste Fütterung ist die Kenntnis des Energiegehaltes erforderlich. Deshalb sollte kein Schafhalter auf die Energieangaben für die Ergänzungsfutter verzichten.
Aus fachlicher Sicht macht es Sinn, sowohl bei Lämmern als auch bei den Zuchtschafen Futter der Energiestufe 3 bevorzugt einzusetzen, da die energetische Aufwertung der Grobfutterration im Vordergrund steht. Vor diesem Hintergrund ist die Eingruppierung von drei Futtern in die Stufe 3 erfreulich. Weniger erfreulich ist aber die Tatsache, dass die Hersteller ihre Futter fast ausschließlich als Futter der Stufe 2 ausliefern. Aus den Prüfungen der Vorjahre ist dieser Sachverhalt ebenfalls bekannt. Auch Schaffutter sollten mit realistischen Energieangaben abgegeben werden, wobei Futter der Stufe 3 wegen der Energieergänzung vorwiegend zum Einsatz kommen sollten.
In den Fütterungshinweisen sind klare Empfehlungen zu den zu verabreichenden Mengen bei den Lämmern in Abhängigkeit des Lebensalters und bei den Zuchtschafen in Abhängigkeit des Produktionsstandes und Trächtigkeitszustandes wünschenswert. Hierzu werden mittlerweile von allen Herstellern detaillierte Angaben gemacht, so dass die Schafhalter ihre Tiere bedarfsgerecht versorgen können.
Fazit
Im Test erreichen drei Futter die Energiestufe 3 und ein Futter die Stufe 2. Auch in dieser Prüfung zeigt sich die aus den Vorjahren bekannte Tatsache, wonach die Hersteller ihre Schaffutter energetisch unterbewerten. Hier ist dringend Abhilfe zu schaffen. Erfreulich präzise werden Angaben bezüglich der Einsatzmengen gemacht.