Schaffutter im Test
Im Rahmen der energetischen Futterwertprüfung wurden im Auftrag im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick, Kleve, vier Ergänzungsfutter für Schafe getestet. Geprüft werden in Nordrhein-Westfalen angebotene Futter. Die Probenahme dieser Prüffutter erfolgte im Handel. In Haus Riswick wird der Energiegehalt der beprobten Futter an Hammeln bestimmt. Hierzu wird die Verdaulichkeit der Rohnährstoffe an fünf Hammeln je Futter gemessen. Zur Ermittlung der Verdaulichkeit wird nach einer zweiwöchigen Anfütterung über sieben Tage neben dem Futter auch der ausgeschiedene Kot mengenmäßig erfasst. Die Analysen im Futter und Kot erfolgen in der LUFA NRW.
Auf der Basis der verdaulichen Rohnährstoffe wird für jedes Futter der Gehalt an umsetzbarer Energie (ME) bestimmt und den Energiestufen zugeordnet. Zur Bewertung erfolgt eine Gegenüberstellung mit den Angaben des Herstellers. Hierbei wird in Anlehnung an das Futtermittelrecht eine Toleranz von 0,4 MJ ME je kg in Ansatz gebracht.
Ergänzend erfolgt eine Schätzung des ME-Gehaltes auf Basis der im Labor bestimmten Rohnährstoffe und der Cellulase-Löslichkeit im Rahmen des Cellulase-Tests. Dieses Schätzverfahren wurde aus Verdaulichkeitsbestimmungen abgeleitet und ist in der amtlichen Futtermittelkontrolle in Anwendung.
Geprüft wurden vier Ergänzungsfutter für Zuchtschafe bzw. für die Lämmermast. Die zwei Futter Raiffeisen LammGold von der RWZ Rhein-Main, Köln und das Schaf-/ Lämmer-Korn von H. Schräder, Ochtrup sind nach Herstellerangaben sowohl für die Fütterung der Mutterschafe als auch für die Lämmermast geeignet. Das Futter Raiffeisen LammGold hat laut Angabe die Energiestufe 2 (10,2 MJ ME/kg) mit 18 % Rohprotein. Auch das Futter der Firma Schräder ist mit 18 % Rohprotein deklariert, allerdings wird keine Angabe zum Energiegehalt gemacht.
Die Schaffutter von AGRAVIS Raiffeisen, Münster, und Muskator-Werke, Düsseldorf, sind mit der Energiestufe 2 (10,2 MJ ME/kg) und 18 bzw. 17 % Rohprotein deklariert. Für beide Futter finden sich keine speziellen Angaben hinsichtlich des Einsatzes bei Mutterschafen oder Mastlämmern.
Bezüglich der zu verfütternden Mengen machen die Hersteller sehr unterschiedliche Angaben. H. Schräder empfiehlt für Mutterschafe in der Deckzeit 400 – 500 g, bei hochtragenden Schafen 300 – 500 g und bei säugenden Mutterschafen 500 – 1.000 g je Tier und Tag. Die RWZ gibt für die Fütterung der Mutterschafe in der Deckzeit 100 – 400 g, bei hochtragenden Schafen 300 g und bei säugenden Mutterschafen 500 – 1.000 g je Tier und Tag an. Die Fütterung der Lämmer soll mit 200 g in der achten Woche, 800 g in der 12. Woche und 1.000 g je Tier/Tag in der 16. Woche erfolgen. Für das AGRAVIS Schaffutter werden keine konkreten Einsatzmengen angegeben. Auf dem Sackanhänger befindet sich der Hinweis, dass wegen der erhöhten Gehalte an Spurenelementen bis zu 50 % der Tagesration verfüttert werden sollen. Die Firma Muskator-Werke gibt keine Fütterungshinweise auf dem Sackanhänger.
Ergebnisse
In der Übersicht 1 sind die Angaben der Hersteller, die durch die LUFA NRW analytisch ermittelten Inhaltsstoffe sowie die im Verdauungsversuch ermittelten Verdaulichkeiten und die daraus bestimmten Energiestufen für die Prüffutter dargestellt. Beim Vergleich von Deklaration und Analyse ist beim Schaffutter der Muskator-Werke die futtermittelrechtliche Toleranz im Calciumgehalt überschritten. Ebenso wird beim Schaf-/Lämmer-Korn von H. Schräder der gesetzliche Toleranzbereich für den Fettgehalt verlassen. In allen anderen Fällen besteht eine gute Übereinstimmung zwischen den Herstellerangaben und den im Labor ermittelten Werten. Der Gehalt an Organischer Substanz liegt bei den geprüften Futtern zwischen 81,0 und 81,8 %, womit nur kleine Unterschiede zwischen den Futtern bestehen. Die Werte für die Verdaulichkeit der Organischen Substanz liegen zwischen 79,1 % und 84,9 %. Der über die Verdaulichkeit gemessene Energiegehalt erlaubt bei allen Futtern eine Einstufung in die Energiestufe 3 (10,8 MJ ME ± 0,4 MJ ME). Die Energieschätzung über die Cellulase-Löslichkeit führt ebenfalls in allen Fällen zu Energiegehalten, die denen der Energiestufe 3 entsprechen, womit eine gute Übereinstimmung zum Hammeltest gegeben ist.
Kommentar
Für die Qualitätsbeurteilung von Mischfutter ist der Energiegehalt die wichtigste Größe. Abhängig ist der Energiegehalt im wesentlichen von der verdauten Organischen Substanz eines Futters. In der vorliegenden Prüfung reicht die verdaubare Substanz der Futter für eine Eingruppierung in die Energiestufe 3. Drei der vier geprüften Futter wurden jedoch mit der Angabe Energiestufe 2 deklariert. Hier wurde der deklarierte Energiegehalt also deutlich überschritten. Auch in vorhergehenden Prüfungen von Schaffuttern waren in vielen Fällen die deklarierten Energiegehalte zu niedrig angegeben. Eine sachgerechte Energieangabe ist hier angebracht. Aus fachlicher Sicht macht es auch Sinn, sowohl bei den Lämmern als auch bei den Zuchtschafen Futter der Energiestufe 3 bevorzugt einzusetzen, da die energetische Aufwertung der Grobfutterration im Vordergrund steht.
Beim Futter Schaf-/Lämmer-Korn ergibt sich trotz einer im Vergleich zu den anderen Futtern um mehr als 3,0 %-Punkte geringeren Verdaulichkeit der Organischen Substanz ebenfalls die Eingruppierung in die Stufe 3. Zu erklären ist dies über den um mehr als 2 %-Punkte höheren Fettgehalt gegenüber den anderen Futtern, wodurch die Energiedichte angehoben wird.
Besonders kritisch muss die gänzlich fehlende Energieangabe beim Futter Schaf-/ Lämmer-Korn von H. Schräder, Ochtrup angemerkt werden. Für eine energieangepasste Fütterung ist die Kenntnis des Energiegehaltes erforderlich. Deshalb sollte kein Schafhalter auf die Energieangaben für die Ergänzungsfutter verzichten.
In den Fütterungshinweisen sind Empfehlungen zu den zu verabreichenden Mengen bei den Lämmern in Abhängigkeit des Lebensalters und bei den Zuchtschafen in Abhängigkeit des Produktionsstandes bzw. Trächtigkeitszustandes wünschenswert. Gute Angaben diesbezüglich werden von den Firmen RWZ Rhein-Main, sowie von H. Schräder gemacht. Die Muskator-Werke hingegen verzichten vollständig auf Empfehlungen zu Einsatzmengen, was für den praktischen Schafhalter nachteilig ist.
Fazit
Alle geprüften Futter erreichten im Hammeltest die Energiestufe 3, womit die Angaben der Hersteller in allen Fällen übertroffen wurden. Eine entsprechende Deklaration sowie in Einzelfällen klare Hinweise zu den Einsatzmengen werden gefordert.