Grassilagequalität 2011

Grassilage verdichten

Trockenes Frühjahr brachte wenig Masse von guter Qualität

In 2011 folgte auf einen strengen Winter ein Frühjahr mit einer extremen Trockenheit. Nennenswerte Niederschläge fielen erst ab Juni und damit für das Grünland zu spät für einen ertragreichen ersten Schnitt und vielfach auch zu spät für einen guten zweiten Schnitt. Besonders betroffen waren die Höhenlagen der Eifel, des Bergischen Landes und dem Sauerland, wo Ertragseinbußen von 30 - 60 % beim ersten Schnitt zu verzeichnen sind. Die dritten und vierten Schnitte fielen in eine lang anhaltende Schlechtwetterperiode, was häufig einen verspäteten Erntetermin mit entsprechend verringerten Qualitäten zur Folge hatte.

Ein Vergleich zum Vorjahr (siehe Tabelle 1), das durch einen verzögerten Wachstumsbeginn auf Grund von Kälte und Trockenheit gekennzeichnet war, zeigen sich für die diesjährigen Analysen des ersten Schnittes vergleichbare Qualitäten. Allerdings wurden die ersten Silagen mit 423 g Trockenmasse (TM) sehr trocken ins Silo gebracht. Die Zuckergehalte liegen rund 20 g/kg TM höher, was sich durch eine intensive Sonneneinstrahlung im Frühjahr erklären lässt. Die übrigen anzustrebenden Orientierungs- bzw. Zielwerte wurden in 2011 erreicht.

Die Tabelle 2 informiert über diesjährigen Silagequalitäten in NRW, sortiert nach Art der Nutzung und der Schnittnummer.

Trockenmasse (TM): Bei den Grassilagen des ersten Schnitts und der Folgeschnitte liegen die TM-Gehalte im Mittel zwischen 42 und 43 %. Nur die Ackergrassilagen sind etwas feuchter siliert worden. Insgesamt liegen 57 % aller Silagen bei über 40 % TM, wie die Auswertung in Tabelle 3 zeigt, und damit oberhalb des anzustrebenden Bereichs von 30 bis 40 % Trockenmasse. Auch im Hinblick auf die große Schwankungsbreite der Trockenmassegehalte dürfte bei einigen Silomieten ein optimales Verdichten schwierig gewesen sein. Hier besteht die Gefahr einer Nacherwärmung, insbesondere wenn ein nur geringer Vorschub der Anschnittfläche vorhanden ist.

Rohasche: Tendenziell weisen die Silagen in den letzten beiden Jahren eine etwas geringere Verschmutzung auf. Zwar liegen die Mittelwerte über alle Silagen zwischen 99 und 110 g Asche pro kg TM und damit zum Teil knapp über den Zielwert von 100 g/kg TM. Aber die Gesamtauswertung in Tabelle 3 zeigt auch, dass rund 56 % aller Silagen mit weniger Schmutz geerntet worden sind.

Rohfaser: Der Rohfasergehalt gibt unter anderem einen Hinweis über die Schnittreife des Grasbestandes. Für die Energieschätzung wird die Faser nicht berücksichtigt. Angestrebt werden Orientierungswerte von 220 - 250 g Rohfaser je kg TM. Im Mittel liegen die Silagen des ersten Schnitts in diesem Bereich, was auf einen angepassten Schnittzeitpunkt schließen lässt. Hier haben viele Landwirte richtig reagiert und trotz geringer Aufwuchshöhe geerntet. In dem Stadium des Ähren-/Rispenschiebens werden niedrige Rohfasergehalte bei hoher Verdaulichkeit und damit der beste Energieertrag erreicht. Auch der ADFom-Gehalt liegt mit 244 bis 258 g/kg TM in einem Bereich, der für energiereiche Silagen gilt.

Eiweißkenngrößen: Der mittlere Rohproteingehalt bei den Grassilagen 1. Schnitt liegt bei 157 g/kg TM und damit auf Vorjahresniveau. Die Spanne reicht von 76 bis 225 g/kg TM. Die Gehalte an nutzbarem Rohprotein (nXP) und RNB sind im Mittel bei 141 g bzw. 2,7 g N je kg TM. Die Ackergrassilagen sind durch einen niedrigen RNB-Wert von -0,6 g N/kg TM gekennzeichnet, wobei die Gehalte von -8,4 bis 8,2 g N/kg TM differieren.

Die jeweiligen Spannbreiten verdeutlichen, dass die Rationsplanung unbedingt auf einzelbetrieblichen Daten basieren sollte.

Energiegehalt: Die zentrale Kenngröße für die Qualitätsbeurteilung eines Futtermittels ist sein Energiegehalt. Im Durchschnitt werden in den Silagen des ersten Aufwuchs von den Dauergrünlandflächen 6,40 MJ NEL/kg TM erreicht, womit die Zielvorgabe von >6,4 MJ NEL/kg TM erfüllt ist. Von einer energiereichen Silage wird mehr gefressen, so dass zwei Effekte zusammen kommen: hohe Futteraufnahme und hohe Energiekonzentration je kg aufgenommen Futters eröffnen die Möglichkeit, viel Milch aus dem Grobfutter zu erzeugen. Dies ist die wichtigste Voraussetzung für eine ökonomisch erfolgreiche Milchproduktion. Mit 6,5 MJ NEL/kg TM erweisen sich auch die Silagen vom Ackerfutter als besonders energiereich, wofür vor allem niedrige Rohfasergehalte und hohe Zuckerwerte verantwortlich sind. Zucker wird im Pansen der Wiederkäuer schnell fermentiert und sorgt damit für eine hohe Gasbildung, die den Energiegehalt eines Futtermittels am nachhaltigsten beeinflusst.

Keine Qualitätsunterschiede zwischen den Regionen

Bei einem Vergleich zwischen den Regionen Höhenlage (Eifel/Bergisches Land/Sauerland) und den Niederungen (Niederrhein/Niederungen WL) zeigen sich zum zweiten Male keine Qualitätsunterschiede. Früher wurden in den Höhengebieten von NRW durchweg qualitativ hochwertigere Silagen gewonnen, die im Energiegehalt immer um 0,2 MJ NEL/kg TM und mehr über denen aus den anderen Regionen lagen. Das Grünlandmanagement in den Niederungsgebieten ist den letzten Jahren offensichtlich stark verbessert worden, so dass jetzt auch hier Weidelgras dominierte Bestände frühzeitig geerntet werden.

Generell sind die Silagen der Folgeaufwüchse in einem physiologisch fortgeschrittenen Reifestadium geerntet worden, was an den erhöhten Rohfaser- und ADFom-Gehalten sichtbar wird. In Verbindung mit etwas niedrigeren Zuckerwerten lassen sich diese Silagen schlechter fermentieren. Die Gasbildungs- und Energiewerte sind entsprechend niedriger. Die Zielvorgaben für qualitativ hochwertige Silagen werden im Mittel nicht mehr erreicht. Erschwerend kam in diesem Jahr die lang anhaltende Schlechtwetterperiode in den Monaten Juli und August hinzu, die zu einer eingeschränkten Befahrbarkeit der Flächen führte und nur die Ernte aschereicheren Silierguts zuließ.

Fazit

In vielen Regionen NRWs enttäuschten die geernteten Futtermengen von den Grünlandflächen für den ersten und zweiten Aufwuchs aufgrund der ausgeprägten Frühjahrstrockenheit. Das in dieser Phase geerntete Futter erweist sich aber als sehr energiereich. Die hohen Niederschlagsmengen in den Sommermonaten verursachten ein üppiges Massenwachstum, erschwerten aber gleichzeitig die zeitgerechte Ernte der Bestände. Es wurden große Erntemengen mit lediglich mittlerer Qualität eingefahren. Wie so oft zeigen die Analysen, dass für die sachgerechte Rationsgestaltung einzelbetriebliche Grobfutteruntersuchungen unbedingt erforderlich sind.