Pferdefutter überprüft

Foto: Barbara Kutsch
Industriell hergestellte Mischfuttermittel für Rinder, Schweine und Geflügel werden schon seit Jahren vom Verein Futtermitteltest (VFT) regelmäßig untersucht und bewertet. Über die ersten Untersuchungsergebnisse von Mischfuttern für Pferde berichten Dr. Karl-Hermann Grünewald, VFT, Bonn, und Dr. Wolfgang Sommer, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.
Seit einigen Jahren hat sich die Pferdehaltung in Deutschland deutlich ausgeweitet. Viele Pferde werden einzeln oder in Gruppen auf landwirtschaftlichen Betrieben, speziellen Pensionsbetrieben oder in Reitställen gehalten. Die zunehmende Zahl der Pferdehalter bedeutet, dass sich auch ein größerer Personenkreis, der nicht ausschließlich aus der bäuerlichen Pferdehaltung stammt, mit der Fütterung von Pferden beschäftigt. So vielseitig wie diese Pferdehalter, so vielfältig ist mittlerweile auch das Spektrum der Pferderassen und die Nutzung der Pferde für Sport und Freizeit. Die Spanne reicht vom Klein- bis zum Großpferd, vom Freizeit- und Hobbypferd bis zum Turnier- und Arbeitspferd. Entsprechend groß ist die Vielzahl der angebotenen Futtermittel für Pferde. Neben dem meist betrieblich vorgegebenen Grob- beziehungsweise Raufutter, wie Heu, Stroh und Grassilage, wird nicht selten Getreide, in erster Linie Hafer und Mineralfutter und/oder ein fertiges Mischfutter, eingesetzt. Um hier den Überblick zu behalten und die Auswahl sowie Qualitätsbeurteilung des Zukauffutters für den Pferdehalter zu erleichtern, bietet der VFT den Warentest an. Ziel ist es auch, dem Pferdehalter durch ergänzende neutrale Informationen des VFT zur Warenkunde Möglichkeiten zu geben, die Ernährung seiner Pferde zu verbessern, um eine möglichst hohe Leistungsbereitschaft zu erreichen.
Eine Arbeitsgruppe des VFT beschäftigt sich deshalb intensiv mit der Vorbereitung möglicher zukünftiger Warentests für Pferdemischfutter. Dabei geht es unter anderem um die Auswahl der zu prüfenden Futtertypen, um Kriterien bei der Überprüfung der Herstellerangaben und der Bewertung, um fachliche Beurteilungen zum Einsatzzweck und vieles mehr. Berücksichtigt werden dabei wissenschaftlich fundierte aktuelle Versorgungs- und praktische Fütterungsempfehlungen. Was bei einem ersten Testlauf an Untersuchungsergebnissen heraus kam, wird nachfolgend dargestellt.
Ergebnisse des ersten Testdurchgangs
Im November/Dezember 2005 wurden 38 Pferdemischfutter (Standardtypen) beprobt und untersucht. Die Beprobung erfolgte in verschiedenen Regionen Deutschlands.
Die Probenahme, überwiegend in den Pferdebetrieben, in Ausnahmefällen auch beim Futtermittelhersteller, wurde von geschulten Probenehmern durchgeführt. Auf Grund der Prüfung in den Wintermonaten war der Probenumfang von Zuchtstuten- und Saugfohlenfuttern relativ gering. Die 38 Futterproben stammten aus 19 verschiedenen Herstellerwerken. Im Einzelnen handelte es sich um sieben Mischfutter für Zuchtstuten, acht Fohlenfutter und 23 Futter für Reitpferde.
Tabelle 1 enthält zunächst die Ergebnisse der Deklarationsüberprüfung. Hierbei werden also die Angaben der Hersteller zum Futter mit den in einem Labor analytisch ermittelten Futterwerten verglichen. Die Herstellerangaben zu den Gehalten an Rohnährstoffen, wie zum Beispiel Rohprotein und Rohfaser, Mineralstoffen sowie Aminosäuren, das sind Bestandteile des Rohproteins, wurden überwiegend eingehalten. Bei den einzelnen Analysen war allerdings insgesamt ein Anteil von 7,6 % an Abweichungen von der Deklaration festzustellen. Das ist deutlich mehr als bei den vom VFT ständig untersuchten Rinder-, Schweine- und Geflügelfuttern. Beispielsweise wurde in fünf Fällen (14,7 %) eine Calcium-Abweichung ermittelt. Viermal war der deklarierte Wert zu niedrig, einmal zu hoch. Calcium-Untergehalte beziehungsweise -übergehalte können sich in der Fütterung der Pferde infolge eines Ungleichgewichts im Mineralstoffwechsel durchaus negativ auswirken. Auf die Einhaltung der Herstellerangaben muss sich der Pferdehalter also verlassen können.
Die 38 untersuchten Futter waren entsprechend ihrem Einsatzzweck in der Zusammensetzung sehr unterschiedlich konzipiert. Die große Bandbreite der Konzeption spiegelt sich auch in den Laborbefunden wider. In den Tabellen 2 und 3 sind einige Analysenbefunde, sortiert nach Futtertyp, aufgeführt. Bei den angegebenen Energiegehalten, gemessen in MJDE (verdauliche Energie), handelt es sich um die nach der neuen Energieschätzformel der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie berechneten Werte. Der Energiegehalt eines Pferdemischfutters lässt sich mittels dieser Schätzformel anhand der deklarierten Rohnährstoffe zwar berechen, der Hersteller darf aber den Energiegehalt auf dem Sackanhänger oder dem Lieferschein nicht angeben, weil diese Schätzformel bislang gesetzlich nicht verankert ist. Insofern ist auch der Gesetzgeber gefordert, dem Hersteller die Angabe des Energiegehaltes zu ermöglichen.
Bei den Futtern für Reitpferde reicht die hier gefundene Energiewertspanne von niedrigen 9,4 bis hohen 13,5 MJDE je kg. Allein diese weite Spanne verdeutlicht, wie wichtig es im Sinne einer leistungsgerechten Fütterung ist, genaue Kenntnis über den Energiewert seines Kraftfutters zu besitzen. Denn hiervon hängt nicht nur die tägliche Zuteilungsmenge, sondern auch die notwendige Raufutterergänzung nach Art und Menge ab.
Im übertragenen Sinne gilt das auch für alle anderen, hier untersuchten Inhaltsstoffe. So schwanken beispielsweise die Calcium-Gehalte der Fohlenfutter zwischen 0,69 und 2,25 %. Unterschiede, die natürlich bei der Ergänzung eines passenden Mineral- oder sonstigen Ergänzungsfutters beachtet werden müssen, um eine ausgewogene Fütterung zu erzielen und Mangel beziehungsweise Überversorgung zu vermeiden.
Hinsichtlich der Aminosäuren besteht keine Deklarationspflicht. Es dürfen aber die Gehalte an Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan angegeben werden. Besonders bei der Fütterung von Fohlen und hochtragenden sowie laktierenden Stuten können diesbezügliche Angaben für ein Mischfutter von Nutzen sein.
Meist nur halboffene Deklaration
Die in einem Mischfutter verwendeten Einzelkomponenten, wie beispielsweise Hafer und Gerste, können ebenfalls ein Qualitätskriterium sein. Die Zusammensetzung der untersuchten Futter war überwiegend halboffen deklariert, das heißt mengenmäßig in absteigender Reihenfolge der Gemengteile, angegeben. Der Gesetzgeber verlangt jedoch die offene Deklaration, also die genaue Angabe der Gemengteile in Prozent. Lediglich sieben Futter waren offen deklariert.
Die Futter waren zum Teil recht unterschiedlich zusammengesetzt. Hauptsächliche Getreidearten waren Gerste, Hafer und Mais. Bei den Eiweißträgern dominierte Sojaschrot, gefolgt von Luzernegrünmehl, Lein- und Maisprodukten.
Wichtig für den Einsatz des Futters ist ein aussagekräftiger, fachlich richtiger Fütterungshinweis, gerade bei der Vielfalt der unterschiedlichen Pferdefuttertypen. So sollte der Pferdehalter schon wissen, ob ein Kraftfutter zum Beispiel zu Hafer und Heu oder zu Stroh ergänzt werden kann oder ob ein Kraftfutter für Fohlen, Aufzuchtpferde oder Zuchtstuten konzipiert ist. Die Auswertung der untersuchten Futter ergab bezüglich Art und Umfang der Fütterungshinweise ein sehr unterschiedliches Bild. In der Regel enthielten die Sackanhänger entsprechende Hinweise, teils waren diese auf dem Futtersack zu finden oder es wurde auf separate Beratung oder das Internet verwiesen. Bei einzelnen Futtern fehlten aber auch jegliche Fütterungshinweise. Andererseits wurden häufig auch ganz detaillierte Angaben zur täglichen Kraftfuttermenge bei unterschiedlicher Beanspruchung der Pferde und Raufutterversorgung gemacht.
Fazit
Die erste überregionale Überprüfung von Pferdefutter zeigt eine mäßige Übereinstimmung der analytischen Befunde mit den Angaben der Hersteller. Die Aufteilung der 38 geprüften Futter nach unterschiedlichen Standardtypen ergibt für diese eine große Bandbreite in der Ausstattung mit Energie, Rohnährstoffen, Mineralien und Aminosäuren. Dies ist bei der Fütterung der Pferde zu beachten, insbesondere im Hinblick auf die richtige Wahl des Mischfutters bei vorhandenem Raufutter und bei Zuteilung der vorgesehenen Kraftfuttermenge.
Auf Gund der vorliegenden Untersuchungsergebnisse wird die Notwendigkeit gesehen, den Test für Pferdemischfutter fortzusetzen und auszubauen. Um eine einheitliche Bewertung bei der Futterprüfung vornehmen zu können, wird der VFT entsprechende Bewertungsschemata für einzelne Standardfuttertypen in Abhängigkeit vom Einsatzzweck entwickeln.