Wie füttere ich laktierende Stuten?

Pferdefütterung mit Fohlen
Foto: Barbara Kutsch

Säugende Stuten haben in den ersten drei Monaten einen extrem hohen Nährstoffbedarf. Die tägliche Energiemenge, die bereitgestellt werden muss, entspricht dem Bedarf eines Pferdes, das Schwerstarbeit leistet. Der notwendige Eiweißbedarf ist sogar doppelt so hoch wie bei einem Hochleistungspferd. Richtzahlen für die tägliche Versorgung mit Eiweiß, Energie, Mineralstoffen und Vitaminen stehen in den Tabellen 1 und 2. Die Angaben dienen der Orientierung und gelten für eine voll entwickelte Warmblutstute mit ca. 600 kg Körpermasse.

Bei leichteren Stuten sind entsprechende Abzüge vorzunehmen. Je 50 kg Körpermasse weniger kann die Energiemenge um etwa 9 MJ verdauliche Energie und die Eiweißmenge um 70 bis 80 g verdauliches Eiweiß pro Tag reduziert werden. Dies entspräche in etwa einem ¾ kg Hafer.

Tabelle 3 enthält einige Rationsvorschläge für säugende Stuten, und zwar für den 1. bis 3. und für den 5. Laktationsmonat. Raufutterbasis sind einwandfreies, aromatisches Heu, nach Möglichkeit goldgelbes Getreidestroh sowie absolut schimmelfreie, angenehm säuerlich riechende Ballensilage. Die hohen Kraftfuttermengen machen ein mehrmaliges Füttern am Tag (mind. 3 Kraftfuttermahlzeiten) erforderlich. So kann man Risiken von Koliken vorbeugen. Wichtig ist auch, dass Stute und Fohlen stets genügend Bewegung erhalten. Vor dem Hintergrund der enormen Leistungsveranlagung einer Stute wird der hohe Kraftfutterbedarf verständlich. Milchleistungen von 15 bis 20 Liter pro Tag sind keine Seltenheit. Spitzenleistungen werden im dritten Laktationsmonat erbracht. In den ersten Monaten nach dem Abfohlen muss deshalb neben der Energie reichlich Protein ergänzt werden. Geeignet ist einwandfreies Sojaschrot oder ein spezielles Zuchtstutenfutter.

Ab dem 3., 4. Tag nach der Geburt kann die tägliche Kraftfuttermenge allmählich gesteigert werden, so dass nach etwa 10 bis 14 Tagen die erforderliche Höchstmenge erreicht wird. Steigt die Kraftfuttermenge anfangs zu stark, sind bei den Fohlen Verdauungsstörungen möglich. Wird zu knapp gefüttert, verzögert sich die Fohlenrosse. Entsteht hingegen ein längeres Energiedefizit, können bereits in der Fohlenrosse belegte Stuten ihre Frucht verlieren.

Bei Kombination von Sojaschrot und Hafer muss besonders auf die tägliche Mineralfutterergänzung geachtet werden, um auch die Spurenelement- und Vitaminversorgung der Fohlenstute sicher zu stellen. Mit einem kg Sojaschrot erhält die Stute fast 400 g verdauliches Protein und 12,4 MJDE. Das Sojaprotein weist besonders hohe Gehalte an essentiellen Aminosäuren (z.B. Lysin, Methionin) auf, die für die Milchproduktion wichtig sind. Ein Mangel an Aminosäuren wirkt sich negativ auf die Milchmenge und auf den Eiweißgehalt der Stutenmilch aus, was die gewünschte Fohlenentwicklung beeinträchtigen kann. Ein kg Hafer enthält nur 85 g verdauliches Protein und 12,2 MJDE. Hafer ist somit nicht als Eiweißfutter einzustufen, wie manchmal gesagt wird. An laktierende Stuten muss Hafer deshalb immer in Kombination mit einem hochwertigen Eiweißträger verfüttert werden. Reichlich wertvolle Aminosäuren enthalten die speziell für Zuchtstuten konzipierten, industriell hergestellten Ergänzungsfutter mit 15 bis 16 % Rohprotein. In der Hochlaktation lassen sich von diesen Ergänzern für Zuchtstuten etwa 5 bis 6 kg zusammen mit 1 bis 1,5 kg Hafer pro Tier und Tag verabreichen.  

Saubere, nicht angeschimmelte Futtermöhren sind stets eine Bereicherung der Futterration. Bei ordnungsgemäßer Lagerung behalten Möhren über längere Zeit ihre
ß-Karotinmenge, im Mittel etwa 40 mg/kg. Aus dem ß-Karotin wird im Stoffwechsel der Stute Vitamin A gebildet, und zwar aus 1 mg rund 400 I.E. Durch 1 kg frische Möhren werden also 16000 I.E. Vitamin A bereitgestellt. Mit 2 kg Möhren kann man etwa 1/3 des Tagesbedarfes der laktierenden Stute an Vitamin A abdecken.

Sobald es die Witterung und Vegetation zulassen, werden die Stuten mit Fohlen auf die Weide gebracht. Der Übergang von der Winterfütterung zur Weide muss aber schonend erfolgen. Anfänglich sollten die Pferde nur stundenweise ausgetrieben werden. Abrupte Umstellungen können aufgrund des hohen Eiweiß- und geringen Rohfasergehaltes des frischen Grases zu Verdauungsproblemen führen. In wieweit bei Weidehaltung Heu und Kraftfutter zugefüttert wird, hängt vom Weidegrasangebot ab. In der Übergangsphase ist Heu und Stroh zu ergänzen. Während die Eiweißversorgung bei Weidehaltung in der Regel immer gesichert ist, kann es bei fehlender Zufütterung von Kraftfutter in den ersten Laktationsmonaten je nach Weideverhältbissen zu einem Energiemangel kommen. Mögliche Folgen äußern sich dann nachteilig auf das Fruchtbarkeitsgeschehen in Form ausbleibender Fohlenrosse, schwacher oder fehlender Rosse sowie Fruchtresorption bei wieder tragenden Stuten aus. Bei halbtägigem Weidegang muss die Ergänzungsfütterung (Kraftfutter, gegebenenfalls Mineralfutter) wie bei der Heu- oder Ballensilagefütterung beibehalten werden.

Zu Beginn der Weidezeit steht der Stute mit dem frischen Grünfutter reichlich ß-Karotin und Vitamin E zur Verfügung. Vitamin D wird bei Weidegang ausreichend durch Sonneneinstrahlung über die Haut der Tiere gebildet.   Was der Weide fehlt sind die erforderlichen Natriummengen, die zur Versorgung der Stute notwendig sind. Auch die Zufuhr von Spurenelementen wie Kupfer, Zink und Selen gerät häufiger in den Mangel. Auf entsprechende Ergänzungen ist deshalb gerade bei Weidehaltung zu achten.