Gemeinsam für gesunde Pferde

Foto: Barbara Kutsch
Mit einem Gemeinschaftsprojekt der Zucht- und Sportverbände, das von der Tierseuchenkasse gefördert wird, soll der Gesundheitsstatus der nordrhein-westfälischen Pferde verbessert werden. Dr. Lutz Ahlswede erläutert, wie dieses Ziel erreicht werden soll und wie interessierte Pferdehalter bei diesem Projekt mitmachen können.
Nach Schätzungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung gibt es in Deutschland rund 1,25 Mio. Pferde. Jedes vierte Pferd ist im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen zu Hause. Allgemein ist dadurch ein hoher Infektionsdruck zu erwarten und in NRW auch zu erkennen. Neben der Pferdedichte sind auch ständig wachsende Bestandszahlen in vielen Betrieben anzuführen, verbunden mit einer steten Fluktuation. Bezogen auf die Anzahl von Prüfungen und Ausbildungsaktivitäten ist NRW ebenfalls Spitzenreiter. Bestimmungen zum Infektionsschutz durch Verbände, zum Beispiel LPO 2000, führen naturgemäß nur sehr begrenzt zu einer Entspannung der Gesamtsituation. Infektionsschutz darf nicht nur bei Rennen oder Turnieren thematisiert werden, sondern muss primär im Pferdebestand erfolgen.
Zielvorstellung ist daher der bestandsbezogene Infektionsschutz, welcher die Besonderheiten und die Spezialisierung einer jeglichen Pferdehaltung zu berücksichtigen hat. Neben den gezielten Wurmbehandlungen und Impfungen ergeben sich praxisnahe, betriebsbezogene Empfehlungen, die im Rahmen des Betriebsmanagement umgesetzt werden müssen. Nur so ist ein optimaler Effekt zu erwarten. Der Betreiber eines Pferdebetriebes wie auch der Einstaller müssen bei Nichtbeachtung die letztlich auch betriebswirtschaftlichen Konsequenzen kennen, die durch Reduzierung von Leistung, Nutzungsausfall, Therapieaufwand und Wertverlust entstehen.
Der Pferdebetrieb ist beim Aufbau eines wirkungsvollen Infektionsschutzes auf die sachkundige Beratung und Umsetzung durch den Tierarzt angewiesen. Seine Aufgabe ist es, gemeinsam mit dem Betreiber einer Pferdehaltung die Pferdegesundheit durch Aufklärung, Erarbeitung und Umsetzung von Strategien langfristig zu fördern und zu stabilisieren. Es darf nicht so sein, dass diese Maßnahmen nur unter dem Druck eines spektakulären aktuellen Infektionsgeschehen, zum Beispiel Todesfälle über Herpesinfektionen oder Endoparasiten, anlaufen und nach wenigen Tagen oder Wochen bereits wieder vernachlässigt werden.
Nachhaltige Lösungen gefragt
Grundsätzlich erfordert die beschriebene Situation eine nachhaltige Lösung. Dieses wird derzeit auch in anderen Bundesländern so erkannt und führt zu entsprechenden Überlegungen. Entscheidend ist, dass für eine bestimmte klinische Symptomatik im akuten Infektionsgeschehen, etwa der Atemwege, des Zentralnervensystems, Aborte und Durchfälle der Erregernachweis fehlt. Ohne Kenntnis der Erreger lassen sich weder Prophylaxe noch Therapie aufbauen, auch durchgeführte Schutzimpfungen nicht bewerten. Ebenso können keine gezielten Desinfektions- und Quarantänemaßnahmen empfohlen werden oder Initiativen für die Suche nach neuen Impfstoffen entwickelt werden.
Aus diesem Grund haben die in Nordrhein-Westfalen tätigen Zucht- und Sportverbände eine Initiative entwickelt, um für ihre Mitglieder und alle Pferdehalter in NRW ein mit Mitteln der Tierseuchenkasse gefördertes Projekt umzusetzen. Dieses erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, den Tierärztekammern, den in der Pferdepraxis tätigen Tierärztinnen und Tierärzte sowie dem Arbeitskreis Pferdegesundheit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.
Globales Ziel des Projektes ist die Verbesserung der infektionsmedizinischen Situation in Pferdebeständen. Dazu stützt sich die Durchführung auf vier Säulen:
- Weiterbildung von Tierärzten zur Mitarbeit am Projekt
- Etablierung einer aktuellen Virus- und Bakterien-Diagnostik, mit einem erweiterten Erregerspektrum in einer Institution
- Erarbeitung einer bestandsbezogenen Diagnose auf Grund der Laborbefunde, gegebenenfalls weiterführende Untersuchungen
- Erarbeitung von Konzepten zur Verbesserung der Bestandssituation
Begleitet wird das Projekt von einem Projektleiter, der für fachliche Fragen und - falls notwendig - bei Problemen der praktischen Umsetzung Pferdehaltern und Tierärzten zur Verfügung steht. Der Projektleiter überprüft Befundungen und Laborergebnisse zu Auswertungszwecken und ist für Informationsveranstaltungen und Veröffentlichungen verantwortlich.
Voraussetzungen zur Teilnahme am Projekt sind, dass der betroffene Betrieb Mitglied der Tierseuchenkasse ist und der hinzugezogene Tierarzt das projektbezogene Seminar der Tierärztekammer besucht hat. Der Tierarzt untersucht die betroffenen Pferde und füllt einen so genannten Anamnesebogen aus. Hier sind vorwiegend Impfstatus und Angaben zur klinischen Untersuchung gefragt. Zur labordiagnostischen Untersuchung werden den Pferden Proben entnommen und in die für das Projekt vorgegebenen Labore geschickt. Dort ist ein der jeweiligen Situation entsprechend sinnvoller Erregernachweis vorgesehen, bei einem im Vergleich zur bisherigen Routine deutlich breiterem Spektrum der Erregernachweise.
Hilfe von der Tierseuchenkasse
Die Kosten der Beprobung und Probenversendung trägt der Pferdehalter, die Kosten für die Labordiagnostik werden aus Mitteln der Tierseuchenkasse getragen. In der Routine werden maximal drei akut erkrankte Pferde aus einem Bestand beprobt.
Die Laborbefunde gehen an den einsendenden Tierarzt. Parallel werden Laborbefunde und der Anamnesebogen an den Projektleiter gesandt. Dieser unterliegt der Schweigepflicht. Er kann Hilfestellung leisten, bei Bedarf unter Einbeziehung kompetenter Fachberater, zur Erarbeitung einer bestandsbezogenen Diagnose und Konzepten zur Verbesserung der Bestandssituation.
Die anonymisierten Daten aus dem Projekt sollen zu jährlichen Auswertungen genutzt werden sollen. Ziel ist, Informationen zu erhalten, um die infektionsmedizinische Situation in den Pferdebetrieben zu verbessern. Die Initiative zur Teilnahme am Projekt kann sowohl von den Tierärzten als auch von den Pferdehaltungen ausgehen. Anzustreben ist in jedem Fall eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.